Sonntag, 11 November 2018 15:21

Geschichte- Projekttag zum 9.11.

Schicksalstag der Deutschen: viele wichtige Ereignise der deutschen Geschichte fanden an einem 9. November statt. Der Projekttag erinnerte daran.

Eine Kerzenaktion schon vor dem Beginn des Unterrichts eröffnete den Projekttag, mit dem sich die Fachschaft Geschichte sehr viel Mühe gegeben hatte.  Alle Schülerinnen und Schüler standen um einen erleuchteten Davidstern, der aus Kerzen in Gläsern gebildet wurde. Diese Kerzen hatten unsere Schülerinnen und Schüler in den Tagen zuvor schon mit in die Schule gebracht.

In einer Ansprache erinnerte Herr Döring:

Zum Beginn des Tages versammeln wir uns um einen großen beleuchteten Davidstern, das Symbol für die jüdische Religion. Wir wollen an die 80jährige Wiederkehr des 9. November 1938 erinnern, an einen der schlimmsten Tage der deutschen Geschichte.

Heute vor 80 Jahren zündeten deutsche Nationalsozialisten jüdische Synagogen an, zerstörten jüdische Geschäfte und verwüsteten Wohnungen, in denen ihre jüdischen Mitbürger lebten. Heute vor 80 Jahren wurden in Deutschland tausende Juden misshandelt, verhaftet, in den Selbstmord getrieben und getötet. Organisierte Schlägertrupps der Nazi-Partei NSDAP wüteten in ganz Deutschland – auch in Remscheid.

Auch hier wurden Geschäfte auf der Adolf-Hitler-Straße (heute Alleestraße) zerstört, Gebetsräume überfallen und jüdische Wohnungen verwüstet, so z.B. auch hier auf der Hindenburgstraße oder nur wenige Schritte weiter auf der Martin-Luther Straße. Schaut dort einmal auf den Boden, Stolpersteine erinnern an diese dunkele Stunde unserer Vergangenheit.

Warum stehen wir hier – junge Menschen 80 Jahre später?

Weil wir aus der Vergangenheit lernen wollen!
Weil wir eine Wiederholung solcher Taten verhindern wollen!
Weil wir an ein friedliches Zusammenleben aller Menschen glauben, gleich welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Weltanschauung!
Deshalb stehen wir hier, weil wir ausrufen wollen: NIE WIEDER!
Und natürlich:
Weil wir der Opfer gedenken wollen, denn jeder dieser gequälten, entrechteten, geschändeten, entehrten und getöteten Menschen war und ist einer zu viel!


 

Im Anschluss an diesen stimmungsvollen Auftakt fanden in unserer Aula nacheinander zwei Veranstaltungen statt, in denen Geschichtskurse die weiteren Schicksalstage der Deutschen, die mit dem 9. November zusammenhängen, dem Publikum informativ, spielerisch, filmisch oder als Theaterstück präsentierten.

Dabei wurde erinnert an:

Die Befreiung des Bergischen Landes von der Franzosenherrschaft am 9.11.1822

Die Hinrichtung des Revolutionärs Robert Blum am 9.11.1848

Die Ausrufung der Republik und das Ende der Monarchie in Deutschland am 9.11.1918

Den Hitlerputsch am 9.11.1923

Die Reichspogromnacht am 9.11.1938

Den Fall der Berliner Mauer und den Beginn der deutschen Einheit am 9.11.1989

 

Frau Philipps, die die Idee zu diesem Projekttag hatte, las aus den Kriegbriefen ihres Onkels vor, der im 1. Weltkrieg gefallen ist. Das war ein sehr eindrucksvolles Erlebnis.

Im weiteren Verlauf des Voirmittags konnten Installationen der Kunstkurse von Herrn Amtmann zum Mauerfall vom 9.11.1989 angesehen werden, wobei deutlich wurde, dass die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sich sehr interessant mit dem Thema ausgeinandergesetzt hatten.

In der Schule wurde für die Jahrgangsstufen 8 und 9 jeweils ein Film gezeigt und die Jahrgangsstufe 7 begab sich außer Haus, um einige Stolperstine zu besuchen und diese zu pflegen, was das GBG ja in regelmäßigen Abständen tut.

 

 

Am Folgeabend fand in der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall die offizielle Gedenkfeier der Stadt Remscheid statt. An dieser Feier wirkten auch Henrik Greinacher und Silas Brück aus unserer Q2 mit und zeigten einen Film, den sie während der Gedenkstättenfahrt nach Ausschwitz gedreht hatten. Eindrucksvoll trugen sie so zu der Veranstaltung bei und halfen daran zu erinnern, dass die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die Nationalsozialisten begangen haben, nie wieder geschehen dürfen!

In seiner Ansprache zum 9.11. las Herr Döring noch ein Gedicht vor, das ebenfalls gegen das Vergessen gerichtet ist. Zum Nachlesen ist es hier noch einmal abgedruckt.

 

Jüdisches Gebet

Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie;

Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie;

Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers  
erinnern wir uns an sie;

Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie;

Zu Beginn des Jahres
und wenn das Jahr zu Ende geht
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen
erinnern wir uns an sie;

Wenn wir Freude erleben,
die wir so gerne teilen würden,
erinnern wir und an sie;

Solange wir leben, werden auch sie leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.

[Quelle: angeblich aus "Toren des Gebets" - reform. jüdisches Gebetbuch]